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Nächste Generation 3D kommt ohne Brille aus

3. September 2010

von Christoph Behrens

Noch kaum auf dem Markt, könnten 3D-Brillen in wenigen Jahren wieder in den Mülleimer wandern. Fraunhofer-Forscher arbeiten bereits an der nächsten Generation 3D-Fernseher ohne Brille. Toshiba möchte sogar dieses Jahr in Japan noch „brillenlose“ 3D-Bildschirme einführen.

„Ich habe meine Zweifel, ob sich brillenbasiertes 3D durchsetzen wird.“ sagt Ralf Schäfer vom Heinrich-Hertz-Institut (HHI) in Berlin. Die zur Fraunhofer-Gesellschaft gehörige Forschungseinrichtung arbeitet an Fernsehern, die dreidimensionale Inhalte auch ohne Brille darstellen können. Mehrere Prototypen sind schon auf der IFA in Berlin zu sehen.

„Langfristig braucht man ein System ohne Brille“

Am Stand des HHI retten plastisch gewordene Videohelden die Welt, Autos scheinen mit bloßem Auge betrachtet plötzlich aus dem Bildschirm zu fahren. Dort ist Bernd Duckstein ein gefragter Mann. Ständig muss er erklären warum seine Fernseher ohne Brillen auskommen und trotzdem räumliche Inhalte darstellen. Der Wissenschaftler arbeitet seit 20 Jahren an 3D und obwohl er keine aufwändigen Bühnenshows bietet wie Panasonic oder Sony, drängeln sich die Besucher an seinem Stand auf der IFA. „Wir zeigen, dass es geht“,  sagt der Fachmann, „obwohl wir von der Marktreife noch entfernt sind.“

Auf der IFA 2015 sei die aber erreicht, schätzt sein Kollege Ralf Schäfer. „Langfristig braucht man ein System ohne Brille“, ist der Leiter der Abteilung „Image Processing“ überzeugt. „Letztlich werden autostereoskopische Systeme die besseren sein, hier wird auch am meisten geforscht.“ Im dunklen Kino störe es zwar nicht, wie albern der Nachbar mit klobiger Brille aussehe. „Wenn die Partnerin auf dem Sofa mit Brille plötzlich komisch aussieht, vergeht einem vielleicht schon die Lust auf 3D.“

Erste Modelle kommen in Japan in wenigen Monaten auf den Markt

Doch die technischen Hürden für die neue Technologie sind immens. „Wir benötigen eine viel höhere Auflösung als HD, um Filme vernünftig darzustellen.“ erklärt Schäfer. Bislang sehen die Besucher seines Standes die Bilder nur aus einem sehr kleinen Winkel scharf. Damit Zuschauer auch ein 3D-Erlebnis haben, wenn sie von weiter rechts oder links auf  den Bildschirm blicken, müssen noch mehr Kameras aus leicht versetzten Perspektiven filmen. Dann wächst aber auch die Datenmenge nach oben und das erfordert wieder eine höhere Auflösung. „Wir befinden uns in einem Dilemma.“ sagt Schäfer. Deshalb haben Forscher seines Instituts eine „Tiefenkarte“ entwickelt, einen schnellen Prozessor, der für jeden Bildpunkt neben der Farbe die Entfernung zum Betrachter berechnet. Eine spezielle Beschichtung auf dem Bildschirm sorgt dafür, dass beide Augen verschiedene Bilder sehen.

In Deutschland wird es noch eine Weile dauern, aber in Japan könnten Shutter-Systeme und Polarisationsbrillen, die derzeit gängigen 3D-Technologien, schon dieses Jahr Konkurrenz bekommen. „Wir entwickeln derzeit 3D-Fernseher im 20-Zoll-Format, die keine 3D-Brille brauchen“, bestätigte eine Sprecherin von Toshiba gegenüber dem TecWatch Blog. Schon zum Weihnachtsgeschäft könnten sie in Tokio über den Ladentisch gehen.

Wer darauf nicht vertrauen möchte und jetzt schon Geld ausgeben will, greift zur aktuellen Technik.  „Die Zeiten sind vorbei, dass man sich nur alle 15 Jahre einen neuen Fernseher kauft“, meint Ralf Schäfer.

Mehr dazu:

Interview mit Bernd Duckstein vom Heinrich-Hertz-Institut

Modischer Nasenschmuck für den 3D-Blick

Drei Brillen für die dritte Dimension

7 Kommentare leave one →
  1. schlora permalink
    4. September 2010 10:00

    Stimmt, die 3D-Brillen schauen immer ziemlich albern aus! Könnt’s mir aber sehr amüsant vorstellen, wenn die ganze Family mit den Dingern vorm Fernseher sitzt 😉 Schöner Artikel übrigens!

  2. Marcus permalink
    10. September 2010 15:34

    Ich glaube, dass auch 3D-Brillen eine praxistaugliche Alternative darstellen. Solche Brillen z.B. http://www.3dstuff.org/3d-brillen/fr-3d-kinos-designer-3d-brille-zirkular-polarisiert-56.html können ja im 3D-Kino SOWIE für aktuelle 3D-Fernsehgeräte verwendet werden. Größeres Manko wird irgendwie doch der Preis sein!

    • 12. September 2010 17:37

      Hmm, funktionieren tun diese Brillen ja heute bereits. Aber ich frage mich doch, ob man jedesmal, wenn man das Wohnzimmer betritt, nach seiner 3D-Brille suchen will, um etwas vom Film mitzubekommen. Die Frage wird sein, wie sehr sich die Leute darauf einlassen, glaube ich…

  3. Andrea permalink
    24. Oktober 2010 19:08

    So neu ist 3D ohne Brille doch nicht. Ich habe das bei viality schon vor zwei Jahren gesehen. Das Unternehmen aus Dortmund hat diese Technologie auch auf Messen präsentiert. Die Filme zu erstellen war wohl mehr das Problem. Die gezeigten Filme Mussten sehr Aufwendig am Computer bearbeitet werden.

Trackbacks

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  2. Drei Brillen für die dritte Dimension « TecWatch-Blog
  3. Was können die ersten 3D-Kameras? « TecWatch-Blog

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