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Drei Brillen für die dritte Dimension

4. September 2010

von Brigitte Vordermayer

Die rosarote Brille kennt jeder. Die 3D-Brille mittlerweile auch. Wirklich? Denn 3D-Brille ist nicht gleich 3D-Brille. Da gibt es aktive und passive, teure und billige. Und vor allem funktioniert nicht jede Brille mit jedem 3D-Fernseher – beides muss aufeinander abgestimmt sein. Brigitte Vordermayer hat sich den Durchblick verschafft.

Das Grundprinzip dreidimensionalen Sehens nennt sich Stereoskopie. Es beruht darauf, dass linkes und rechtes Auge zwei leicht unterschiedliche Halbbilder wahrnehmen. Die Herausforderung für Sendetechnik und Brille besteht also darin, dem linken und dem rechten Auge jeweils verschiedene Halbbilder zukommen zulassen. Dafür gibt es drei gängige Verfahren, die mit eigenen Brillen arbeiten: mit Farbfilterbrillen, Polfilterbrillen und aktiven Shutterbrillen.

Farbfilterbrillen bekannt aus „Mickey Maus“

Beim Farbfilterverfahren werden die beiden Halbbilder in die Komplementärfarben rot und grün eingefärbt und übereinander gelegt. Durch die rote und grüne Farbfolie der 3D-Brille erkennt jedes Auge nur „sein“ Bild. Diese Technik stammt aus den 50er Jahren und wurde unlängst von der Bild-Zeitung für die „erste 3D-Zeitung der Welt“ genutzt. Weil sie nicht so gute Ergebnisse liefert, wird sie für 3D-Fernsehen kaum mehr verwendet. Stattdessen dominieren hier zwei andere Verfahren.

Das Prinzip des Polfilter-Verfahrens

Passive Polfilterbrillen

Polfilterbrillen kennen viele schon aus dem Besuch im 3D-Kino. Diese Technik macht sich zunutze, dass jedes bewegte Bild aus Zeilen aufgebaut ist. Wenn nun – vereinfacht gesagt – jede ungerade Zeile beim linken und gleichzeitig jede gerade beim rechten Auge landet, entsteht im Gehirn wieder ein dreidimensionaler Eindruck. Das passiert durch eine spezielle Beschichtung von Brille und Fernseher, die die Lichtwellen Bildzeile für Bildzeile unterschiedlich leitet.

Aktive Shutterbrillen

Das Prinzip der Shutterbrille

Auf der IFA dominieren dagegen TV-Geräte, die die beiden Halbbilder in hoher Frequenz nacheinander zeigen. Damit zum Zeitpunkt, an dem Bild A zu sehen ist, auch nur das linke Auge dieses Bild erkennt, gehören dazu spezielle Shutterbrillen. Sie haben in den Gläsern eine LCD-Elektronik, die in diesem Moment das rechte Auge abdunkelt. Anschließend zeigt der Fernseher Bild B fürs rechte Auge, und die Brille schaltet entsprechend das linke Glas schwarz. Der Fernseher synchronisiert dabei die Brille durch ein Signal über Infrarot oder Funk. Das Ganze funktioniert in so hoher Geschwindigkeit, dass der Zuschauer den Wechsel nicht bewusst wahrnimmt.

Vor- und Nachteile der Verfahren

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. So sind die Shutterbrillen aufgrund der eingebauten Technik schwerer, empfindlicher und wesentlich teurer (80-200 Euro) als die leichten Polfilterbrillen (ab 5 Euro). Auch müssen sie regelmäßig aufgeladen werden. Außerdem bemängeln Fachleute, dass andere technische Geräte die Frequenz-Abstimmung zwischen Brille und TV-Gerät stören können.

Die Polfiltertechnik hat dafür andere Nachteile: Sie stellt eine niedrigere Bildauflösung dar und der Zuschauer sieht nur aus einem begrenzten Blickwinkel wirklich scharf.  Viele IFA-Besucher lobten deshalb das intensivere und kontrastreichere Bilderlebnis mit den Shuttern.

Meinungen gehen auseinander

Beim Kauf eines 3D-Fernsehers muss sich der Kunde für eine Technik entscheiden. Doch welche die bessere ist und welche sich durchsetzen wird, darüber sind sich die Experten nicht einig. Francis Goubault von Thomson meint, letztlich müsse der Nutzer selbst herausfinden, welches Prinzip ihm besser gefalle. Er sollte im Laden genau hinsehen. Denn manche bekommen von der einen Technik Kopfweh, manchen wird bei der anderen übel. Goubault selbst glaubt aber an die Shutterbrillen, weil ihr Bild einfach intensiver sei. Bernd Duckstein vom Fraunhofer Heinrich Herz Institut gibt der Polfiltertechnik den Vorzug. Die Bilder seien heller, weniger störempfindlich und flackerten nicht. Die Tatsache, dass die meisten Hersteller trotzdem nicht darauf setzen, erklärt er mit den hohen Kosten für die hochkomplexe Polfilterbeschichtung des Fernsehers.

Derzeit produzieren die Hersteller eigene, speziell zu ihren Geräten gehörige Brillen. Panasonic bietet verschiedene Größen für Kinder, Frauen und Männerköpfe an, Samsung setzt auf Brillen, die sich automatisch ausschalten, sobald man das Gesicht vom Bildschirm wegdreht. Prinzipiell verbirgt sich dahinter jedoch immer die gleiche Technik. Während Polfilterbrillen in der Regel sowohl fürs Kino als auch für 3D-Fernseher verschiedener Hersteller genutzt werden können, gibt es bei den Shuttern noch Unklarkeit. Prinzipiell sollte es funktionieren, dass jeder seine Brille zum Videoabend mitbringen kann, vorausgesetzt man bleibt innerhalb eines stereoskopischen Verfahrens. Eine Polfilterbrille kann nicht mit einem Fernseher verwendet werden, der mit Shuttertechnik funktioniert und umgekehrt. Den Gedanken der eigenen Brille, die man zum Videoabend bei Freunden mitbringt, hat die Modeindustrie bereits für sich entdeckt: So bietet etwa die Firma 3Dblic Brillen in unterschiedlichen Farben und Formen.

Langfristig nur ganz ohne Brille

Auch wenn die Experten sich in der Beurteilung von  Shutter- oder Polfilterbrille nicht einig sind – was die Zukunft des 3D-Fernsehens betrifft, scheinen sie übereinzustimmen. Bernd Duckstein betont: „Langfristig kann keines von beiden eine Lösung sein – das 3D-Fernsehen der Zukunft kann nur ohne Brille wirklich befriedigen.“

Mehr dazu:

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3D – Es geht auch ohne Brille

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