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Spieglein, Spieglein? – „DSLR“ gegen „EVIL“

5. September 2011

von Miriam Trescher

Wer als Profi- oder ambitionierter Hobbyfotograf etwas auf seine Künste hält, hat natürlich eine DSLR – eine digitale Spiegelreflexkamera. Je größer, desto teurer und desto besser. Doch mit den kleineren, spiegellosen Systemkameras verändert sich die Foto-Welt. Hat es sich bald ausgespiegelt?

Bis vor drei Jahren gab es Spiegelreflexkameras und Kompaktkameras. Dann stellte Panasonic die erste spiegellose Systemkamera vor, und seitdem ist nichts mehr wie vorher. Denn diese EVIL-Kameras („electronic viewfinder interchangeable lens“) sollen die hohe Qualität der Spiegelreflexkameras mit den schmalen Abmessungen von Kompaktkameras vereinen. Sie könnten vor allem die DSLR-Einsteiger-Modelle vom Markt verdrängen. Betroffen wären davon vor allem die Hersteller Canon und Nikon.

Die Vorteile des Spiegels

Funktionsweise einer DSLR

Eine klassische Spiegelreflexkamera ist deshalb so groß, weil sie ein komplexes System unterbringen muss. Das Licht trifft nicht direkt auf den Bildsensor, sondern zuerst auf einen Spiegel, der das Bild an den Sucher weitergibt. Drückt man auf den Auslöser, klappt der Spiegel um, und das Licht fällt auf den Sensor. Dieser Umweg mag auf den ersten Blick sinnlos erscheinen, hat aber durchaus seine Berechtigung: Dadurch, dass das Licht nicht ständig auf den Sensor fällt, erwärmt sich dieser nicht. Störendes Bildrauschen wird vermieden – und stromsparend ist es auch. Meist sind die Bildsensoren in DLSR-Kameras auch größer und garantieren ein detailreiches Bild. Und bis vor kurzem waren allein Spiegelreflexkameras in der Lage, mit Wechselobjektiven verschiede Brennweiten oder Lichstärken abzudecken.

Spiegellos und leicht

Spiegellose Systemkameras hingegen haben keinen „Vermittler“ zwischen Licht und Sensor. Das Bild wird sofort vom Sensor aufgenommen und an den elektronischen Sucher weitergegeben. Sie sind dadurch wesentlich kleiner und leichter – was aber auch auf den Sensor zutrifft. Einen Vollformatsensor kann man in einer EVIL-Kamera nicht unterbringen. Die Möglichkeit, Wechselobjektive anzuschrauben, gibt es jedoch auch hier – der Kreativität tut das kompakte Format also keinen Abbruch. Ein weiterer Vorteil betrifft die Aufzeichnung von Videos: Die kann man bei EVIL-Kameras mit kontinuierlichem Autofokus drehen – bei Spiegelreflexkameras ist dies meist nicht möglich.

Canon und Nikon: Nichts als Spekulationen?

Neben Panasonic stellen auch Sony und Samsung fleißig ihre EVIL-Kameramodelle auf der IFA vor. Die großen Kamera-Hersteller Canon und Nikon hingegen halten sich bedeckt. Schon lange wird spekuliert, dass die beiden Firmen in ihren Laboren fieberhaft an eigenen EVIL-Kameras tüfteln und demnächst auf den Markt bringen. Doch davon weiß Jörg Ammon von Canon Deutschland nichts: „Wir sind ja eine japanische Firma, und die Informationspolitik aus Japan ist nicht gerade die beste. Wir kommen da nicht als erstes an die Informationen. Der Stand heute ist also: Man kann gar nichts sagen.“ Klar sei allerdings, dass man den Markt beobachte und wohl auch an einem entsprechenden Produkt forschen würde. Es kursieren Gerüchten im Internet, laut denen Canon ein spiegelloses System mit dem Namen EIS herausbringen soll. „Bei diesen Gerüchten ist es entweder so, dass sie sehr nah an der Realität sind, oder komplett absurd,“ erklärt Ammon. Das lässt viel Interpretationsspielraum. Nikon wollte sich zu der Thematik gar nicht äußern.

Spiegel ade?

Kompakt und stark: Die EVIL-Kameras

Hat nun also die klassische Spiegelreflexkamera bald ausgedient? Panasonics Product Manager Markus Matthes ist sich sicher: „Bei hochwertigen Einsteiger-Kameras gibt es eigentlich keinen Grund mehr für einen Spiegel. Klar, bei vollformatigen Profikameras macht er durchaus Sinn. Aber eine spiegellose Systemkamera kann durchaus eine Canon EOS 600D oder Nikon 5100 ersetzen, die ja auch nicht mit Vollformat-Sensoren ausgestattet sind.“ Sogar einige Profi-Fotografen hätten dem Spiegel schon den Rücken gekehrt.

Bei Canon ist man sich da nicht so sicher. „Ja, der Markt könnte sich in den kommenden Jahren noch verändern“, gibt Jörg Amman zu. „Aber es gibt momentan noch keinen Markt für spiegellose Systemkameras, der groß genug ist. Sonst würde ein erfahrener Kamerahersteller wie Canon natürlich reagieren.“

Geschmackssache

Fakt ist: Zu Beginn waren die kleinen EVIL-Kameras nicht wirklich eine Konkurrenz, zu unausgereift war die Technik. Doch die Produktvorstellungen auf der IFA zeigen: Die Spiegellosen rücken qualitativ immer näher an die DSLRs heran. Das TecWatch-Blog konnte sich in einem Test davon überzeugen, dass die EVILs an Schnelligkeit und Bildqualität ordentlich zugelegt haben. Sie schießen Serienbilder wie ein Maschinengewehr und der Autofokus arbeitet flott und zuverlässig. Preislich geben sich die beiden Kameratypen übrigens nichts – für welche Technik man sich letzen Endes entscheidet, bleibt wohl Geschmackssache.

5 Kommentare leave one →
  1. dominikkohn permalink
    6. Oktober 2011 17:21

    Hallo Miriam,

    vielen Dank für den guten Artikel.
    Ich denke auch, dass der Markt für Spiegellose momentan noch zu klein ist. Wenn in den nächsten Jahren mehrere Kamera Hersteller auf diesen Zug aufspringen, könnte ich es mich auch überlegen zu wechseln.

    Viele Grüße aus Bolivien
    Dominik Kohn

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