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7K und 180° – Das Kino von morgen?

4. September 2012

von Tarek Fetih

Full-HD, 3D, 4K – alles brandheiß oder bald schon von gestern? Bietet das Kino der Zukunft vielleicht 7K und 180-Grad-Leinwand? Auf der Medienwoche bei der IFA konnte man zumindest auf den Geschmack kommen. Das mobile TiME Lab feierte seine Weltpremiere.

Mit dem Schwarz-Weiß-Stummfilm begann das Zeitalter des Kinos. Nach Ton, Farbe, 3D und HD kommt jetzt wieder eine radikale Veränderung: Bisher waren Leinwand oder Bildschirm immer ziemlich flach und rechteckig, egal ob im Format 4:3 oder 16:9. Das Kino der Zukunft braucht möglicherweise eine gewölbte Leinwand, eine Art Halbkreis, sodass man vom Mittelpunkt aus ein 180-Grad-Blickfeld hat. Auf dem Internationalen Medienkongress parallel zur IFA zeigte das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut so eine Projektion in 3D und 7facher HD-Auflösung, kombiniert mit einem herausragenden Soundsystem.

Einen passenden Film für dieses neue Format kann man natürlich nicht einfach mit seinem eigenen Camcorder erstellen, denn für das breite Bild braucht man entsprechend viele Kameras. Bei den vorgeführten Filmen wurden sechs Kameras für die Aufnahmen verwendet. (Zum Vergleich: für einen 3D-Film benötigt man nur zwei Blickwinkel.) Im Halbkreis nebeneinander auf ein Gerüst montiert, nahmen die Kameras das Bild indirekt über passend angeordnete Spiegel auf –  jede Kamera einen anderen 30-Grad-Blickwinkel. Für die Wiedergabe braucht man dann mehrere Projektoren, die die Bilder wieder zueinander passend auf die Leinwand projizieren.

Durch den weiten Winkel „erlebt“ man den Film sehr realistisch – ähnlich wie das Blickfeld in Wirklichkeit. Allerdings ist der Otto-normal-Zuschauer von den bisherigen Bildschirmen ja den Blick auf die flache Scheibe gewohnt. Ich persönlich wurde durch das weite Blickfeld leicht überfordert und wusste nicht immer, wohin ich gerade schauen sollte, viele Details konnte ich nur aus dem Augenwinkel sehen. Durch das riesige 180-Grad-Panorama habe ich mich wie vor einer Straßenüberquerung gefühlt: Ich sehe die andere Straßenseite, muss aber erst nach links und rechts schauen ob ein Auto kommt. Das soll heißen: Man kann kaum das gesamte Geschehen der gezeigten Aufnahme gleichzeitig sehen. Allerdings hat der Zuschauer dadurch mehr Freiheit zu sehen, was ihn interessiert und kann sich auf einen Bereich im Film konzentrieren. Er wird also nicht gezwungen, einen bestimmten rechteckigen Ausschnitt zu betrachten.

Das Format hat also bestimmt Potential für Aufnahmen von Konzerten, Theaterstücken, Dokumentationen und Co. Allerdings denke ich, dass es für richtige Spielfilme schwierig wird, da der Regisseur weniger Kontrolle über das hat, was der Zuschauer sieht.  Er muss ja dann auch immer eine „Rahmenhandlung“ am Bildschirmrand bieten. Und er kann nicht darauf vertrauen, dass die Zuseher das erfassen, worauf es ankommt. Wer nach links dem hübschen Mädchen nachsieht, verpasst vielleicht, dass am rechten Bildrand der Hauptdarsteller ermordet wird. Außerdem ist nicht nur die Technik aufwendiger und teurer, sondern das ganze Filmset müsste neu konzeptioniert werden, die normalen Filmstudios und Kulissen werden dann wohl nicht mehr ausreichen, um den 180-Grad-Bildausschnitt zu füllen.

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